„Arm aber Bio“ – Interview mit der Autorin Rosa Wolff

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Wir haben bereits vor einiger Zeit das „Arm aber Bio“-Kochbuch von Rosa Wolff vorgestellt, das übrigens auch in unserer Bücherecke zu finden ist. Da wir dieses Thema sehr spannend finden und immer wieder Kommentare dazu bekommen haben, freuen wir uns sehr, dass die Autorin des „Arm aber Bio-Kochbuches“ sowie des „Arm aber Bio-Selberversuches“ sich bereit erklärt hat und ein paar Fragen zu beantworten:

Rosa Wolff


Frau Wolff, in Ihrem Selbstversuch geht es darum, sich mit 4,35 Euro (dem Betrag, den Hartz-IV-Empfänger damals für ihre täglichen Mahlzeiten zu Verfügung hatten) komplett biologisch zu ernähren. Wie sind Sie auf die Idee mit dem Selbstversuch gekommen und welche Erfahrungen konnten Sie in dieser Zeit sammeln?
Die Idee habe ich schon länger mit mir herumgetragen. Ich hatte mich so oft geärgert, wenn im Freundes- und Bekanntenkreis immer wieder Leute, die wahrlich nicht knapp bei Kasse sind (Eigenheim, dickes Auto, teure Reisen), gesagt haben: „Bio ist mir zu teuer.“ Da habe ich manches Mal gedacht: Euch werde ich beweisen, dass es auch mit viel weniger Geld geht, als ihr habt, und dann habt ihr keine Ausrede mehr. Als ich meinen wichtigsten Auftraggeber und damit mein Einkommen verlor, war es der richtige Moment, den Versuch zu unternehmen. Ohne Netz und doppelten Boden.

Sie haben sicher viel positive Rückmeldung bekommen – gab es auch einige Verbesserungsvorschläge für den Selbstversuch?
Am häufigsten vermisst wurde der Hinweis auf die Möglichkeit, selbst Gemüse anzubauen und dadurch Geld zu sparen. Da ich aber nur über das schreiben möchte, wovon ich auch Ahnung habe und zu dem Zeitpunkt keinerlei Erfahrung damit hatte – Stadtwohnung mit Parterre-Nordbalkon, keine Chance! –, konnte ich dazu nichts berichten. Inzwischen habe ich einen Schrebergarten. Dort lerne ich viel, aber dass ich dadurch Geld gespart hätte, kann ich bis jetzt nicht behaupten. Beeren, frisch vom Strauch gespflückt, sind mit nichts zu vergleichen, das ist großartig, aber mit meinen Salaten mästen sich leider vor allem die Schnecken.

Inwieweit kann man für dieses Geld „hochwertige“ Bio-Produkte kaufen und in wie weit „muss“ man auf „Discounter-Bio“ zurück greifen?
Den Gang zum Discounter halte ich grundsätzlich für überflüssig. Das Angebot an Biowaren ist dort sehr eingeschränkt. Obst und Gemüse gibt es nur abgepackt, ich kann also nicht genau die Menge kaufen, die ich wirklich brauche; die Gefahr, dass was vergammelt, ist hoch und dann verkehrt sich der Preisvorteil, der in der Regel gering ist, ins glatte Gegenteil. Dann stört mich beispielsweise, dass Discounter Milchprodukte nur in Plastikbechern anbieten.

Können Sie uns ein paar Tipps geben, welche Lebensmittel preisgünstig in Bio-Qualität zu kaufen sind und auch bei welchen es sich Ihrer Meinung nach nicht lohnt diese „Bio“ zu kaufen, da Sie z.B. aus konventionellem Anbau genau so gut sind?
Bio ist nicht immer ökologisch. Das hört sich erst mal paradox an. Aber denken Sie etwa an die Bio-Tomaten, -Erdbeeren oder -Paprika, die im südspanischen Almería angebaut werden, wo unzählige Quadratkilometer unter Plastikplanen verschwinden und der ganzen Gegend buchstäblich das Wasser abgegraben wird – eine ökologische Katastrophe! Da warte ich lieber, bis die Erdbeeren bei uns reif sind und lasse sie mir schmecken, auch wenn sie nicht immer bio sind. Davon abgesehen: Grundsätzlich sind mir Bioprodukte lieber, auch wenn die konventionellen häufig sehr gut sind. Aber: Zu ihrer Herstellung werden Gifte eingesetzt, und ich möchte möglichst nicht dazu beitragen, dass die Welt immer weiter vergiftet wird.

Nach dem Selbstversuch haben Sie noch ein zweites Buch, ein Kochbuch herausgebracht. Dort sind viele Rezepte aus nur sehr wenigen Zutaten zu finden. Gibt es in diesem Buch ein Rezept, das Ihnen besonders gut gefällt, gerade weil es mit sehr einfachen, wenigen Zutaten auskommt, aber sehr schmackhaft ist?
Jetzt im Sommer mag ich besonders den mediterranen Kartoffelsalat. In dem bekommen die Kartoffelscheiben Gesellschaft von gebratenen Zucchinistücken, feingeschnittenen eingelegten Tomaten, Kapern und Frühlingszwiebeln.

Dürfen wir uns in Zukunft denn schon auf ein weiteres Buch in diese Richtung freuen?
Im Moment bin ich dabei, endlich mein veganes Kochbuch – „Rosas Grüne Küche“ – fertigzuschreiben. Ziel ist dabei nicht, die übliche tierproduktehaltige Küche mit Hilfe von Ersatzprodukten nachzuahmen – Stichwort Tofuwürstchen–, sondern vielseitige Gerichte vorzustellen, die ganz zwanglos ohne Tierprodukte auskommen und bei denen nicht das Gefühl aufkommt, dass etwas fehlt.

 

Bild: www.arm-aber-bio.de

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Über den Autor

Natalie Hauser hat zusammen mit Jens Wiese den Blog zu Biodukte.de ins Leben gerufen. Natalie schreibt gerne Artikel rund um das Thema Bio-Lebensmittel und steht gerne in der "Biodukte-Versuchsküche" :-) Außerdem schreibt sie Rezept für Babybrei und gibt Tipps zum Thema Beikost aufder Webseite http://babybrei-selber-machen.de.

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